Gottfried Pott: Kalligrafie

Erste Hilfe und Schrift-Training mit Muster-Alphabeten

Mich mit Kalligrafie zu befassen, die Kunst des schönen Schreibens zu erlernen – das ist eines meiner Vorhaben für das Jahr 2013. Vor rund drei Wochen habe ich angefangen, die Absicht in die Tat umzusetzen. Kalligrafie Gottfried PottAls Lehr- und Lernbuch zum Einstieg habe ich Gottfried Potts „Kalligrafie – Erste Hilfe und Schreibtraining mit Muster-Alphabeten“ gewählt. Eine gute Wahl?

Gottfried Pott scheint so etwas wie der Papst unter den Kalligrafen zu sein. Seine Liebe zur Kunst des schönen Schreibens wird in seinem Buch in jeder Zeile deutlich. Die zahlreichen Abbildungen, die Arbeiten von ihm zeigen, sind beeindruckend. Aber ist Pott auch ein guter Lehrmeister? Weiß er eigentlich (noch), wie Anfänger „ticken“?

Für echte Anfänger, „Dummies“ wie mich, scheint mir Potts „Erste Hilfe“ eher nicht geeignet zu sein. Obwohl ich nun schon eine Weile damit arbeite, habe ich das Gefühl, zu „schwimmen“. Das Buch enthält für meinen Geschmack zu viel Prosa („Warum ich schreibe“, „Schrift entsteht durch Schreiben“, „Gestalten heißt Komponieren“, „Muße contra Stress“, „Impulsgeber Literatur, Musik, Ausstellungen“). In eher simplen Anfänger-Fragen aber ist es mir zu unsystematisch, das Grundlagenwissen wird nicht Schritt für Schritt und bei Null anfangend vermittelt.

Statt mir immer wieder etwas zusammenkaufen zu müssen, hätte ich zum Beispiel gern zu Beginn gelesen, welche Grundausstattung ich eigentlich brauche. Gleichstrichfedern, Bandzugfedern,Schwellzugfedern, Federn aus Basaholz, Calligraphy Pens in unterschiedlichen Farben und Stärken, einen Arkansasstein zum Nachschleifen einer neuen Feder, eine abgeschrägte Schreibfläche („nicht zu flach und nicht zu steil“) – muss ich das alles jetzt schon haben?

Die Aufzählung diverser Schreibwerkzeuge im vorigen Absatz könnte die Vermutung aufkommen lassen, sie (und ihre optimalen Einsatzmöglichkeiten) würden im Buch systematisch dargestellt. Das trifft jedoch nur auf einige Einzefälle zu. Es stimmt schon – so manche Information darüber findet sich irgendwo im Text verstreut. Hilfreich, übersichtlich, finde ich das nicht.

Für die konkrete Arbeit werden, wenn ich mich nicht verzählt habe, 12 Schriften angeboten. Sie sind atemberaubend schön, viele kommen mir als Anfängerin aber auch atemberaubend schwer vor. Das Buch beinhaltet u.a. die Einführung in Schriften wie die Grotesk, die Humanistische Kursive, die serifenlose Antiqua, die Unziale, die Karolingische Minuskel, die Rustika, die sog. Gebrochenen Schriften wie Textur, Fraktur und Bastarda. Mangels ausreichender Praxis kann ich mir kein abschließendes Urteil erlauben, aber ich habe den Eindruck, dass der Autor hier gute Hilfestellung bei der Erarbeitung gibt. Ob die Abfolge der gelehrten Schriften entsprechend dem Schwierigkeitsgrad (sei es der Schrift selbst, sei es bezüglich der Handhabung des Schreibwerkzeugs) vorgenommen oder welche Kriterien sonst herangezogen wurden, wird in dem Buch leider nicht erläutert. Ich werde das ungute Gefühl nicht los, dass für Kalligrafie-Neulinge aber vieles aus Gottfried Potts Füllhorn eine oder mehrere Nummern zu groß sein könnte.

Bei dem Umzugsstress, den ich kurz vor unserer Abreise in die Bretagne hatte, fand ich keine Möglichkeit mehr, mir dieses oder auch andere Bücher vorher näher anzusehen. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland werde ich mich aber sicher nach Alternativen umsehen.

Fortgeschrittene Anfänger sind mit Potts „Erster Hilfe“ vermutlich gut bedient. Mir als „echter“ Anfängerin wäre es lieber gewesen, der Autor hätte nicht die ganze Palette von Möglichkeiten der Kalligrafie vor mir ausgebreitet, sondern einen – durchaus gewissen Beschränkungen unterliegenden – Weg vorgezeichnet, dem ich Schritt für Schritt folgen und den ich bewältigen kann. Wie schreibt Gottfried Pott ganz in diesem Sinne im Kapitel über die Humanistische Kursive? „Zuerst Stehen, dann Gehen und dann Laufenlernen“.

Gottfried Pott
Kalligrafie
Erste Hilfe und Schrift-Training mit Muster-Alphabeten
Verlag Hermann Schmitt, Mainz 2005

4 Kommentare zu „Gottfried Pott: Kalligrafie

  1. Viel Erfolg und Spaß, Ingrid, ich bin schon auf deine ersten Ergebnisse gespannt.
    Es ist sehr befriedigend, mehrere Federn auszuprobieren – ich habe das vor langer Zeit auch für meine Zeichnungen gemacht und mich für die harte Zeichenfeder entschieden. Manchmal benutze ich auch Bandzugfedern.
    Grüße von Susanne

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    1. Ob ich meine Ergebnisse jemals zeigen kann, wird sich noch herausstellen. Viel Üben und viel Geduld sind jedenfalls angesagt – und ein einsteiger-gerechteres Lehrbuch. Schaun wir mal! Grüße nach Berlin, Ingrid

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