Stefanie von Wietersheim: Vom Glück mit Büchern zu leben

Bücher über das Leben mit, das Wohnen mit Büchern haben derzeit Hochkonjunktur. Es finden sich schon diverse Publikationen in den Regalen der Buchhandlungen oder Verzeichnissen der Onlineshops  – „Wohnen mit Büchern“ von Damian Thompson,  „Räume für Menschen, die Bücher lieben“ von Leslie Geddes-Brown, „Bücher-Möbel: Über 300 Ideen für das Leben mit Büchern“ von Alex Johnson , um nur dreiVom Glück mit Büchern zu leben beispielhaft zu nennen. Vermutlich reizen die Verkaufszahlen zum Aufspringen auf den Zug. Stefanie von Wietersheim’s „Vom Glück mit Büchern zu leben“ ist meines Wissens die jüngste Veröffentlichung dieser Art.

20  mehr oder weniger in der Öffentlichkeit bekannte Persönlichkeiten werden in ihrem Wohn- oder vereinzelt auch beruflichen Umfeld porträtiert (Bild und Text). Das „Strickmuster“ des Buches ist dabei einheitlich, wenn auch den Vorgestellten  unterschiedlich viel Raum gelassen wird. Das kann, muss aber nicht, damit zu tun haben, dass das eine oder andere Gespräch, das die Autorin geführt hat, nicht wirklich viel hergibt und „Bücherglück“ kaum spürbar wird.

In den von Stefanie von Wietersheim präsentierten, recht einfühlsam geschriebenen Texten  erfahren  wir etwas darüber, wie die/der jeweilig Porträtierte zum Lesen kam, welches die Anstöße in der Kindheit  und Jugendzeit waren, wie sich die Liebe zu Büchern mit den Jahren entwickelt hat, welches die Schlüsselwerke sind/waren …  Jedes Kapitel wird mit einem mehr oder weniger (un)sinnigen Fragenkatalog abgeschlossen: „Mein schönster erster Satz“, „Mein schönster letzter Satz“, ein „Klassiker, der mich zu Tode langweilt“, „Dieses Buch hätte ich gerne geschrieben“, „Auf meinem  Nachttisch liegt“ usw.

Wer sind denn nun diese Menschen, die uns hier beim Plaudern mit Stefanie von Wietersheim erzählen, wie sie mit Büchern leben? Schaut man näher hin, fällt einem ein, was der Volksmund sagt: Gleich und Gleich gesellt sich gern!  Dieses Buch ist zu einem beachtlichen Teil ein Buch von „vons“ (Stefanie von Wietersheim, Claudia von Boch) über „vons“,  Gräfinnen, Prinzen und Prinzessinnen: Felicitas von Lovenberg (Literaturkritikerin der FAZ), Christine Gräfin von Brühl (Autorin),  Ildiko von Kürthy (Autorin), Alexander Fürst von Schaumburg Lippe (Unternehmer), Prinz Asfa-Wossen Asserate (Autor), Mafalda Prinzessin von Hessen (Bühnenbildnerin).

Die illustre Runde wird ergänzt durch Johanna Rachinger (Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek), Necla Kelec (Publizistin und Islamkritikern), Florian Langenscheidt (Verleger und Autor), Blanca Bernheimer (Galeristin), Regina Moths (Buchhändlerin), Folke Tegetthoff (Märchendichter), Oliver Jahn (Journalist), Sibylle Canonica (Schauspielerin), Vitalie Taittinger (Künstlerische Leiterin des Champagnerhauses), Albrecht Mayer (Solooboist der Berliner Philharmoniker, Ivo  Wessel (Kunstsammler), Gerhard Steidl (Verleger), Barbara Schöneberger (Moderatorin und Entertainerin), Wolfram Siebeck (Gourmetkritiker und Buchautor).

Alle Porträtierten nennen für sich und ihre Bücher eine Bleibe ihr eigen, die sich sehen lassen kann. Die Auswahl der Büchermenschen ist somit schon fast von allein Garant für wunderbare Fotos in einem Wohnumfeld, von dem „Normalos“ nur träumen können.  Von Designern entworfene Bücherregale in Lofts oder Bücherwände und Leseecken in Schlössern geben natürlich viel mehr her als Billy-Regale in einer „ordinären“ Drei-Zimmer-Wohnung. Aber das Interieur, das Ambiente allein macht es natürlich nicht. Claudia von Boch hat wundervolle Fotos geschossen, die das Durchblättern des Buches zu einem Fest für die Augen machen.  Wenn ich mir allerdings das Cover-Foto ansehe, frage ich mich, ob die Fotografin wohl selbst liest. So kann man zwar für ein Foto posieren (lassen), aber lesen?

Oft ist es ja so (und das erklärt vielleicht auch ein wenig den Erfolg von Büchern der hier vorgestellten Art): Wer selber gern liest, wer  umgeben ist von vielen Büchern, wer sich ein Leben ohne Bücher nicht vorstellen kann, interessiert sich auch sehr für das, was andere Bücherfreunde und -freundinnen in ihren Regalen stehen haben, wie und wo diese ihre Schätze hüten. Wer zu diesem Kreis gehört, kennt „das Glück, mit Büchern zu leben“ aus eigener Erfahrung  und wird sicher an diesem Buch Freude haben, gern darin  blättern, vielleicht auch Anregungen für die eigene Lektüre sammeln, sich an den schönen Bildern erfreuen. Ein „Muss“ ist es meines Erachtens aber nicht; dafür bleibt es inhaltlich (textlich)  einfach zu sehr an der Oberfläche.

Stefanie von Wietersheim (Texte) / Claudia von Boch (Fotos)
Vom Glück mit Büchern zu leben
Callwey  Verlag 2012, 200 Seiten, 29,95 EUR

14 Kommentare zu „Stefanie von Wietersheim: Vom Glück mit Büchern zu leben

  1. Mist, wir als Büchermenschen haben gerade erst umgebaut. Wenn man solche Bücher liest und sieht, auf wieviele unterschiedliche Arten Bücher zum Wohngefühl beitragen können, bekommt man glatt Lust auf das nächste Mal …

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    1. Ich meine mich zu entsinnen, dass Du über die letzte „Umbau-Aktion“ bei Euch recht unterhaltsam berichtet hast. So etwas ist ja immer auch ein großer Aufwand, aber auch eine gute Möglichkeit, in Vergessenheit geratene „Schätze“ neu zu entdecken.

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      1. Ja, das stimmt. Da kam manches zutage, und manches davon wurde endlich (oder endlich wieder) gelesen. Manches wurde allerdings auch zu Altpapier (da kenn ich nix!) oder wanderte zu einem Bücherflohmarkt.

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  2. Ich mag solche Bücher ja ausgesprochen gerne: Bücher von Büchersammlern für Büchersammler. Da hole ich mir dann auch gerne mal Inspiration für meine eigene Bibliothek. Auf meiner Wunschliste steht noch ein Buch, in dem die schönsten und wichtigsten Buchhandlungen von unterschiedlichen Persönlichkeiten vorgestellt werden – ich finde es einfach spannend, in solchen Bilderwelten zu stöbern. 🙂

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    1. Das Buch über die „schönsten Buchhandlungen“ habe ich auch noch auf dem Wunschzettel. Bücher dieser Art leben ja in hohem Maße von den wundervollen Fotos – da kann man schnell ins Schwärmen kommen.

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      1. Ja, das könnte mir auch sehr gefallen!
        Ich schätze bereits in meinem direkten Umfeld sehr schöne Buchhandlungen … wichtig finde ich neben besonderen Räumlichkeiten immer wieder auch die Menschen, die die Bücher ausgewählt haben und mir von ihnen erzählen können!
        Herzliche Grüße nach SG,
        mb

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      2. Das macht ja auch den Reiz von Blogs über Bücher aus: Menschen erzählen aus ihren jeweiligen Blickwinkeln über ihr Verhältnis zu Büchern, über Bücher, die sie gelesen haben, über Bücher, die sie schätzen (oder auch nicht) und warum … Herzliche Grüße (letztmalig aus SG, demnächst aus dem Oberbergischen), Ingrid

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  3. Ich hab das Buch zu Weihnachten geschenkt bekommen und einige Porträts schon gelesen. Man kann sich immer mal wieder ein Häppchen vornehmen, dann ist dieses Buch sehr kurzweilig.

    LG buechermaniac

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    1. Als „kleine Lektüre zwischendurch“ hat das Buch durchaus Unterhaltungswert. Deine Häppchen scheinen aber recht klein auszufallen, wenn Du das Buch schon seit Weihnachten hast … : )

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  4. Ein Buch für Büchermenschen 🙂 .

    Allerdings ist es so, dass die schönesten Wohnzimmer, die ich kenne, gar keine Bücherwände haben. Meistens liegen nur die Bücher herum, die gerade gelesen werden. Auch ich habe meine Bücher in einen Raum bzw. noch in das Schlafzimmer gelagert, weil ich das Aussehen unordentlich, bunt und wirr finde.

    Es ist nicht so, dass ich einige Bibilotheken nicht sehr schön finde, aber zu Hause möchte ich das auch nicht.

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    1. Ich mag zwar auch die eher minimalistisch, aber sehr geschmackvoll eingerichteten Wohnzimmer, aber ich finde doch, dass sich eine schöne (geordnete) Bücherwand überall gut macht. Die meisten der in dem Buch vorgestellten Menschen dürften übrigens in der Wahl des Platzes für ihre Bibliothek ziemlich frei sein – an geeigneten Räumlichkeiten scheint es in deren „Behausungen“ nicht zu mangeln.

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      1. Ich sage es einmal so: Es gibt Bücherwände und Bücherwände.

        In Leder gebundene Sammlungen finde ich durchaus schön. Die alltägliche Büchersammlung ist mir zu wirr und zu bunt.

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