Stephan Porombka: Schreiben unter Strom

Experimentieren mit Twitter, Blogs, Facebook & Co.

Schreiben unter Strom„Schreiben unter Strom“ ist Teil der von Hanns-Josef Ortheil herausgegebenen Reihe „Kreatives Schreiben“ (s. auch DruckSchrift hier und hier). Bevor man das Buch erwirbt, sollte man sich über die eigenen Intentionen klar sein. Nur der Untertitel verweist (zu) dezent darauf, um was es hier geht: um experimentelles Schreiben unter Nutzung von Blogs, Facebook, Twitter oder anderen sozialen Netzwerken und der Möglichkeiten, die Handy, Computer und Internet heute bieten. Es ist kein Ratgeber mit Tipps und Tricks, keine Schreibschule, die es erfahrenen, nach neuen Impulsen suchenden Bloggern oder Facebookern ermöglichen soll, ihre Beiträge „aufzupeppen“, kreativer, interessanter zu schreiben, mehr Besucher auf ihre Seiten zu locken.

Es geht also nicht um das alltägliche „normale“ Zwitschern auf Twitter, nicht um Blogs, wie sie Lieschen Müller oder IngridW schreiben, nicht um das „Alltagsgeschäft“ von Facebook-Nutzern. Jedenfalls nicht vorrangig. Es gilt, so heißt es  auf der Bucheinband-Rückseite, „neue Möglichkeiten für Literatur zu erkunden, im Electric Writing vom User zum Produzenten zu werden“.

Wenn man das berücksichtigt und man sich wie ich  (dennoch)  auf dieses Buch einlässt, gewinnt man interessante Einblicke in das, was inzwischen im Rahmen dieses „Electric Writing“ passiert  – ohne dass man das alles gut finden muss.  Porombka, Professor für Literatur und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim,  präsentiert – gelegentlich etwas langatmig –  immer ganz konkrete Schreibexperimente, die man  als Anregung für das eigene literarisch ambitionierte Schreiben, das eigene Experimentieren mit Texten im Netz  verstehen kann. So gesehen ist das Buch eine Sammlung von Angeboten. U. a. geht es um Computerlyrik, SMS-Gedichte, literarische Hypertexte, große Romane ins Twitter-Format „übersetzt“, um eMail-Romane, Blogger als Selbsterzähler  oder Transmedia Storytelling.

Der Aufbau der Reihe „Kreatives Schreiben“ scheint durchgehend identisch zu sein. Wie auch bei „Schreiben dicht am Leben“ von Hanns-Josef Ortheil werden zu jedem Unterkapitel (hier insgesamt 16)  Schreibprojekte vorgestellt. Daran schließen sich Schreibaufgaben an. Mich hat keine davon  zum Versuch des  „Schreibens unter Strom“, wie es in diesem Buch verstanden wird, animieren können. Das war, nachdem die Zielsetzung erkennbar war, aber auch nicht wirklich zu erwarten. Andererseits habe ich aber Einiges gelernt und neben mir eher belanglos Erscheinendem auch durchaus Interessantes erfahren. Auch ganz schön. Zumal ich das Buch aus der Stadtbibliothek und somit keine Kosten hatte.

Stephan Porombka
Schreiben unter Strom.
Experimentieren mit Twitter, Blogs, Facebook & Co.
Duden Verlag 2012, 159 Seiten, 14,95 EUR

14 Kommentare zu „Stephan Porombka: Schreiben unter Strom

  1. Danke, liebe Ingrid, für die Vorstellung des Buches.
    Ortheil mag und schätze ich als Romanautor. Mitunter stehe ich Kursen und Anleitungen zum kreativen Schreiben skeptisch gegenüber; und dann gibt es wieder Momente, in denen ich sehr interessiert bin und mir vorstellen kann, darüber mehr zu erfahren, vielleicht sogar einmal daran teilzunehmen.
    Liebe Grüße, mb

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    1. Seit ich „Das Kind das nicht fragte“ gelesen habe, mag ich Ortheil auch als Romanautor. Die von ihm herausgegebene Reihe „Kreatives Schreiben“ muss man aber sehr differenziert sehen. Von „Schreiben dich am Leben“ (von Ortheil auch selbst verfasst) war ich ganz begeistert und habe mir auch diverse vorgestellte Arten von Notaten für die nächste Zeit als Aufgaben vorgenommen. Das jetzt von mir vorgestellte „Schreiben unter Strom“ von Porombka ist eher etwas für Spezialisten, die sich mit experimentellem literarischen Schreiben im Netz beschäftigen. Als Anregung für mich war es leider nicht brauchbar. Aber ein Schreibkurs – vielleicht sogar unter der Leitung der Ortheil – wäre sicher sehr interessant.

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      1. Über das Buch von Porombka mag man geteilter Meinung sein. Ich habe habe gerade am Stand vom Brockhaus Verlag ein Buch über kreatives Schreiben entdeckt. „Brockhaus Kreatives Schreiben: Vom leeren Blatt zum fertigen Text“ (ISBN 978-3577003032). Nach einer 1. Durchsicht gefällt es mir ganz gut und hab´ es mir gleich in der Heimat-Buchhandlung bestellt zur Ergänzung der „Orsing“-Bücher. Wollte nur daruf hinweisen, da sich vielleicht auch andere dafür interessieren könnten.

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      2. Bin jetzt auf der Rückfahrt. Wenn ich´s dann morgen erhalte kann ich, soweit erwünscht, genaueres hierzu berichten. Ich selbst hab´ bisher nur die Bücher von Orsing durchgearbeitet, da ein Großteil der sonstigen Literatur zum Thema doch sehr „amerikanisch“ ist.

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      3. Eine Kurzvorstellung von „Brockhaus Kreatives Schreiben: Vom leeren Blatt zum fertigen Text” wäre schon interessant. Vielleicht schicken Sie den Text an meine eMail-Adresse (zu finden unter About), ich könnte dann einen kleinen Gastbeitrag daraus machen.

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    1. Wie ich schon als Antwort an Mara geschrieben habe: ich sehe das im Prinzip auch so. Das Buch war eine durchaus interessante Lektüre, aber das war’s dann (für mich) auch. Gute Fahrt!

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  2. Ach schön, dass dieses Buch aus dieser spannenden Reihe hier auch noch vorgestellt wird. Ich habe es schon länger auf meinem Wunschzettel und vor kurzem im Buchladen sogar die Möglichkeit gehabt, einen Blick reinzuwerfen. 🙂 ich denke aber, dass ich es genauso machen werde wie du und es mir aus der Bibliothek ausleihen. Ich bin schon gespannt, ob das Buch mir für mich und meinen Blog Impulse geben kann.

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    1. Du tust sicher gut daran, Dir das Buch erst einmal auszuleihen. Der Nutzeffekt für Blogger/innen, wie etwa Du und ich unsere Blogs verstehen, ist eher gleich Null. Für mich war es interessant, einmal zu sehen, was es im Bereich des experimentellen literarischen „Electric Writing“ so alles gibt. Ideen, Impulse habe ich für mich nicht gewonnen. Ich würde mich freuen, Deine Meinung zu hören, wenn Du das Buch gelesen hast.

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