Neue Nachricht: eMail von Werther

Mail von WertherHeute morgen war sie im Posteingang, die erste Mail von Werther. Ja, von  Werther. Dem tragisch Liebenden aus Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“. Was drin stand?

Hier ein Auszug aus seiner Mail:

Wie froh bin ich, daß ich weg bin! Bester Freund, was ist das Herz des Menschen! Dich zu verlassen, den ich so liebe, von dem ich unzertrennlich war, und froh zu sein! Ich weiß, du verzeihst mir’s. Waren nicht meine übrigen Verbindungen recht ausgesucht vom Schicksal, um ein Herz wie das meine zu ängstigen? Die arme Leonore! Und doch war ich unschuldig…

Jetzt möchtet Ihr wissen, wieso (ausgerechnet) ich in Werthers eMail-Verteiler bin?

Ich lese gerade „Schreiben unter Strom“ aus der von DruckSchrift bereits vorgestellten Reihe Kreatives Schreiben aus dem Duden-Verlag. Was ich von dem Buch halte, wird in Kürze hier im Blog nachzulesen sein. Ich kann aber jetzt schon verraten, dass die Ausführungen über eMail-Romane mich zum sofortigen Handeln veranlasst haben. Es gibt nämlich eine Website mit dem Titel http://www.die-leiden-des-jungen-werther.de. Wenn man dort seine eMail-Adresse hinterlässt, bekommt man Werthers Briefe in einem selbstgewählten Rythmus zugeschickt: täglich, jeden Sonntag, oder zum „echten“ Datum der Briefe, beginnend am 4. Mai.

Wenn Ihr jetzt, neugierig geworden,  auch in den Verteiler aufgenommen werden und  Goethes Briefroman als eMail lesen wollt, ruft einfach die oben angegebene Adresse auf, meldet Euch an, und schon hält Werther Euch für den Rest seines Lebens auf dem Laufenden.

13 Kommentare zu „Neue Nachricht: eMail von Werther

  1. @ buchschaus
    nein, die lassen die emails nicht offen herumliegen, sondern haben sie einem datenhändler übergeben. und das ist richtig, auch die alte form der briefe ist von dem problem betroffen. ich habe schon immer einen schluckauf bekommen, wenn da wieder irgend jemand alte, private briefe findet, veröffentlicht und seinen persönlichen profit damit macht – natürlich alles im interesse der geschichtsforschung.
    mir gefällt das bild vom werkzeugkasten, es rückt auch eines richtig in den blick: das ist eine sehr individuelle entscheidung, womit man sich bei seiner arbeit zurechtfindet. ich halte das medium email für ein einfaches, zweischneidiges messer und werde es nicht benutzen. ich habe auch vieles andere (fb, t, computer poetry, …) letztes jahr intensiv ausprobiert – und für mich als ungeeignet eingestuft. nicht nur, dass ich diese werkzeuge nicht mag (genausowenig wie ich ölfarben, stein, kaltnadelradierung, usw mag), ich glaube auch, dass dadurch keine umgebung geschaffen wird, in der viele mitmachen wollen und werden. aber da kann ich mich irren.
    bloggen ist das schweizer messer in meinem werkzeugkasten (sogar mit spezialaufsatz für das einklinken aller anderen medien). ich kann alles simulieren (auch emails 😉 ), musik, video, visuelle kunst; ich habe die künstlerische vorgabe (wenn ich das will), oder ich kann stufenlos andere mit einbeziehen. warum mich mit weniger zufrieden geben? das internet selbst ist schon lange die eine, transmediale story, an der wir alle schreiben. wenn prorombkas buch überhaupt sinn für mich macht, dann damit, dass er offensichtlich viele leute anregt und ermutigt, das zu erkennen und sich dort mit einzubringen – jeder mit seinem vorhandenen werkzeugkasten.

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    1. Wenn für Sie lediglich der Blog das geeignete Mittel ist zu veröffentlichen, bzw. elektronisch zum kommunizieren, ist das Ihre Sache. Dann legen Sie aber einige Werkzeuge ohne Not aus der Hand. Und die Simulation einer E-Mail bleibt immer das was sie ist: eine Simulation. Während ich in der Integration dieses Mediums in eine Geschichte eine zusätzliche stilistische Möglichkeit sehe. Genauso macht es eine Twitter-Nachricht möglich eine Unmittelbarkeit darzustellen. Und diese ganzen verschiedenen Nachrichten kann ich zum Abschluß der Erzählung in einem Blog zusammen fassen. Und hier die verschiedenen Möglichkeiten des elektronischen Erzählens aufzuzeigen ist ein Verdienst dieses Buches.
      Genauso werden in den weiteren Bänden dieser Serie aufgezeigt welche verschiedenen Möglichkeiten es gibt Tagebuch, Notizbuch, Reisetagebuch zu führen. Und man selbst kann aus den verschiedenen Konzeptionen auswählen, was zu einem selbst, bzw. zu der jeweiligen Absicht am besten passt. Und gerade darin sehe ich einen großen Vorteil dieser Serie. Anstelle zu sagen (bzw. zu schreiben): „So und so mußt Du es machen, dann funktioniert es.“ wie es in vielen Ratgebern üblich ist, werden hier die verschiedenen Techniken vorgestellt und man selbst hat die Möglichkeit eine Auswahl für sich zu treffen. ja man kann sogar eigene individuelle Mischtechniken entwickeln.
      Geht es Ihnen lediglich darum Ihren Stil zu verbessern, empfehle ich Ihnen „Erfolgreich texten“ (978-3934054387) von Doris Märtin.
      Abschließend wünsche ich Ihnen viel Spaß dabei mit einem Schweizer Taschenmesser aus einem Baumstamm einen Schrank zu schnitzen. 😉

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      1. ich lege nichts ohne not aus der hand, weder in der visuellen noch der schreibenden kunst. und sie überstrapazieren den kleinen werkzeugkastenvergleich zum schluss nun doch zusehr.

        aber bitte nun etwas butter bei die fische: wo sind sie, die guten beispiele der email-literatur? ich würde sie gern sehen, lesen und mich da weiter schlau machen. und jetzt bitte nicht diese sache mit goethes werther in elektronischen häppchen …

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      2. Den gibt es bisher noch nicht. Aber trotzdem würd´ ich dies als Stilmittel auch und gerade im transmedialen Erzählen nicht generell ausschließen.
        Aber können Sie mir von einem erfolgreichen Romanblog erzählen? Da ist mir nämlich auch keiner bekannt. Ergo wäre dann auch, nach Ihrem Selbstverständnis, auch diese Publikationsform irrelevant.

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      3. warum blog-romane? Sie sind doch auch für vielfalt und der roman ist nur eine möglichkeit zu schreiben (vielleicht sogar eine veraltete).
        ich habe eben kurz meinen reader hier in WP aufgerufen und liste einfach drei von den vielen, vielen blogs, denen ich folge:

        1) http://juergenkuester.wordpress.com/ – Buchalovs Blog, ein rätselhaftes tagebuch mit kunst und bildern
        2) http://reisefeder-blog.com/ – 6 journalistinnen schreiben kurze, persönliche berichte mit bildern von ihren einsatzorten
        3) http://designroads.wordpress.com/ – u. a. persönliches tagebuch einer längeren reise nach china. die ironie hier ist, dass die artikel des blogs per e-mail aus china kommen. WP hat diese möglichkeit geschaffen, damit man sein blog auch von orten aus weiterführen kann, wo die üblichen modernen, sicheren wege dazu nicht gegeben sind, sei das gewollt oder ungewollt. dies erfordert aber eine spezielle freischaltung, da WP sich darüber im klaren ist, dass emails ein haupteinfallstor für angriffe und schadcode sind.

        vielleicht sollte ich an dieser stelle dann doch einige bemerkungen von porombka zitieren, denen ich durchaus zustimme 😉 :
        „bloggen ist die schreibweise der gegenwart“, „einen blog zu machen heißt: sich die buchkultur abzugewöhnen“, „bloggen ist immer echtes schreiben unter strom“…

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      4. Mir sind diese Blogs nicht bekannt. Genauso wird es E-mail-Literatur geben wird die Ihnen und mir nicht bekannt ist. Aber z.B. fallen mir in diesem Zusammenhang die Reisetagebücher zweier Freunde ein, welche von diesen während ihrer World-Trips verfasst wurden und per E-Mail an Freunde versandt wurden. Von diesen wurde die Mails wieder weitergesendet, bzw. ausgedruckt und im Bekanntenkreis verteilt. Einziger Nachteil (bei mangelnder Qualität auch ein Vorteil :-)) ist, daß die Verbreitung ziemlich lokal ist. Und ich kann Ihnen versichern, daß die Aufmerksamkeit bei den Empfängern für diese Mails wesentlich höher ist, wie beim Reiseblog von zwei weiteren Bekannten, die auch zur Zeit unterwegs sind (hab ich erst am letzten Wochenende bei Gesprächen im Bekanntenkreis festgestellt).
        Genauso gibt es jede Menge Blogs und HPs, die wohl besser nie entstanden wären. Bzw. die mit viel Enthusiasmus begonnen wurden und dann nach kurzer Zeit „einschliefen“. Da ist m.E. doch die Mail, die ich in unregelmäßigen Abständen erhalte vorzuziehen.
        Aber dies ist alles Geschmackssache (genauso wie das Urteil über bestimmte Bücher oder Blogs). Daher kann eine bestimmte Vorgehensweise oder Technik nur für sich persönlich ausschließen, dies aber nicht verallgemeinern. Und genau hier setzt meine Kritik an Ihrer Kritik an. Sie tragen die Technik Blog wie eine heilige Monstranz vor sich her und tun gleichzeitig alle anderen Techniken abqualifizieren. Und diese Reduktion wird dem Thema „elektronisches Schreiben“ in seiner Gesamtheit nicht gerecht. Wie auch das Buch von Porombka aufzeigt.
        Auf alle Fälle stehen wir am Anfang einer Entwicklung die noch sehr spannend sein wird.

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  2. Na, na, na, ganz so negativ wie JeannieU würd ich die Sache mit den E-Mails nicht sehen. E-Mails und Blog unterscheiden sich nunmal grundsätzlich darin, wie öffentlich die Komunikation ist. In einer E-Mail-Korrespondenz kann/wird sehr viel intimer miteinander kommuniziert, wie in einem öffentlichen Blog. Auch ein Chat unterscheidet sich hiervon, da dieser in Echtzeit stattfindet und hierbei ein „ringen“ um Worte und Formulierungen kaum stattfindet. Daher würde ich schon den traditionellen Briefroman mit dem E-Mail-Roman gleichsetzen. Bei einem Brief, auch als E-Mail, handelt es sich um Nachrichten von guten Freunden, die bei mir immer durch die Firewall kommen würden (ansonsten würde dies ja die elektronische Kommunikation ad absurdum führen) Einen Blog würde ich eher mit dem traditionellen Fortsetzungsroman, zu dem jeder per Leserbrief seinen Kommentar geben kann vergleichen.

    PS: Den Abschnitt über transmediales Erzählen fand ich besonders spannend.

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    1. emails sind grundsätzlich als potentiell öffentlich zu betrachten, da es keinerlei sicheren schutz im internet vor veröffentlichung gibt: es gibt sogar unter meinen freunden welche, die ohne mit der wimper zu zucken facebook’s „friend finder“ das password zur ihrem email-account gegeben haben und damit u.a. den unbeschränkten zugang zu meinen mails an sie. und bei mir sind auch schon emails als briefe von freunden getarnt aufgeschlagen. emails als intimeren kommunikationskanal zu betrachten ist gefährlich. bei einem blog vergisst man die gefahren nicht ganz so schnell.
      und sollte ich porombka da so missverstanden haben? es kam ihm doch in seinem buch beim schreiben mit emails auf das „öffentliche“ schreiben an?

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      1. Mit Ihrer Begründung kann man auch den „normalen“ Brief als öffentlich betrachten; wenn Ihre Freunde so ungeschickt sind, diese offen herum liegen zu lassen, obwohl diese intime Botschaften enthalten.
        Desweiteren können Personen, die über den Facebooks Friend-Finder gefunden wurden lediglich die Pinwand Ihres Freundes einsehen, aber nicht den Facebook E-Mail-Account. Und wenn ich persönliche Botschaften an die Pinwand meiner Freunde schreibe, muß mir immer bewußt sein, daß dies einem Anschlag auf dem Marktplatz gleicht.
        Klar geht es in dem Buch um das veröffentlichen von Literatur. Aber hier ist der Versand von E-Mails, anstelle einer Veröffentlichung im Blog, als weiteres Stilmittel zu betrachten. Da gerade durch den Transportweg der Nachricht die Intimität der Botschaft unterstrichen wird. Genauso kann ich mir auch eine Mischform aus E-Mail-, Blog- und Twitter-Nachrichten vorstellen. Da kommt man schon in die Nähe von Bram Stokers „Dracula“, der ja auch aus Briefen, Tagebuch-Einträgen und Notizen besteht. Aber mit dem entscheidenden Unterschied, daß in diese „Collage“ der Transportweg der Botschaft selbst einbezogen wird und dem Leser so ein stärkeres Gefühl der Teilhabe an der Geschichte gegeben wird.
        Ich betrachte den Band von Porombka als Werkzeugkasten, der viele Möglichkeiten des elektronischen Schreibens eröffnet, an die man vorher garnicht gedacht hat. Und aus diesem Werkzeugkasten kann ich mich bedienen, wie es gerade der Geschichte dienlich ist und wie es mir persönlich am meisten liegt. Um bei dem Bild des Werkzeugkastens zu bleiben: Es macht m.E. einen starken Unterschied, ob ich nur einen Hammer zur Verfügung habe, oder auch auf Schraubenzieher, Schlüssel usw. zurück greifen kann.

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  3. gut, diskutieren wir über email-literatur a-la-porombka.

    meine email-accounts sind auf high-level-security. selbst emails von meinem eigenen facebook account wurden so als phishing eingestuft, email-following von blogs mit links auf neu erschienene artikel knallhart als spam – es sei denn ich bohre löcher in diese verteidigung, was ich aber angesichts der gegenwärtigen angriffe bei mir ausschließe.
    ich bekomme emails, wenn es brennt, dringend ist, unangenehmes ansteht oder dokumentiert werden soll, oder einfach nur tonnen an spam. das ist keine umgebung für literatur, genuss, experimentieren!
    ausserdem sollte man sich darüber im klaren sein, dass brief-WECHSEL nur selten als literatur veröffentlicht wurden. meist ist es nur eine seite, die in einem werk „funkt“, die andere wird höchsten indirekt erschlossen. es ist also das BLOG, das die legitime nachfolge des briefromans antritt – und NICHT die email.

    (p.s.: nur nebenbei, die e-buchrättin bekommt schon bei der bloßen erwähnung des oben angesprochenen machwerks grüne punkt auf den ohren 😦 )

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    1. Ganz so kritisch sehe ich das nicht, wie ich überhaupt dem Porombka-Buch etwas offener gegenüber bin als Du – Du hast das Buch in Deinem Blog ja auch, und zwar sehr gepfeffert, rezensiert. Für mich ist der Empfang der Werther-Briefe per eMail erst einmal nicht mehr als ein risikoloser Versuch, ja auch ein Spaß. Ich musste allerdings die Anmeldebestätigung für den Werther und die erste Lieferung auch aus dem Spam-Ordner holen … Im übrigen verweise ich auf den Kommentar von buchschaus zum Thema eMail-Literatur.

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