Christoph W. Bauer: Der Buchdrucker der Medici

Der Buchdrucker der MediciDer Titel führt ein wenig in die Irre. Denn diese Erzählung spielt nicht in Florenz. Und die berühmte Florentiner Familie ist nur unter einem, allerdings nicht zu unterschätzenden Gesichtspunkt für den Buchdrucker Michael Wagner von Bedeutung. Es war die Tiroler Landesfürstin Claudia de Medici, die den jungen Mann zum Hofdrucker ernannte.

Inmitten der Wirren des Dreissigjährigen Krieges hatte sich der aus der Umgebung von Augsburg stammende Buchdruckergeselle Wagner auf der Suche nach einer beruflichen Perspektive in Innsbruck niedergelassen. Der erste Schritt in die Zukunft als erfolgreicher selbständiger Drucker wird durch die Vermählung mit der Witwe eines Innsbrucker Druckereibesitzers getan. Und schon sucht Wagner bei der Landesfürstin um die Gewerbekonzession nach. Mit seiner Ernennung zum Hofdrucker durch Claudia de Medici wird die Tür weit aufgestoßen …

Bauer erzählt die Geschichte des von Michael Wagner begründeten Unternehmens bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Denn es hat, wenn auch unter wechselnden Vorzeichen,  aller Zensur, allen Katastrophen, aller wirtschaftlichen Rückschläge, aller Eigentümerwechsel, der Vereinnahmung durch die Nazis zum Trotz so lange Bestand gehabt. Der Autor greift bei seiner Erzählung zu einem Kunstgriff: als würde der Drucker und Buchhändler beobachtend  „auf Wolke 7“ sitzen und die Jahrhunderte seit dem Freibrief von 1639 Revue passieren lassen, lässt er Wagner die Entwicklung beschreiben und kommentieren. Längst nicht immer ist der Firmenbegründer glücklich über die Art und Weise, wie seine Nachfahren, spätere Firmenchefs, die Zensoren mit seinem Lebenswerk verfahren. Manche Entwicklung sieht er mit Erstaunen, mit Befremden. Manchmal auch erweist er sich als weitsichtig und hofft inständig, dass seine Nachfolger die richtigen, die zukunftsweisenden Entscheidungen treffen.

Jedenfalls erfahren wir auf dieser Zeitreise Interessantes über die Veränderungen, die sich seit den Tagen des Innsbrucker Hofdruckers im Druck- und Verlagswesen und im Buchhandel ergeben haben. Von einer Erzählung, die gerade einmal 140 Seiten umfasst (ein paar Seiten mit Dokumenten sind angefügt), darf man in dieser Hinsicht aber nicht zu viel erwarten. So mancher Aspekt wird gerade einmal kurz angedeutet, und schon geht es im Eilschritt weiter durch die Jahrhunderte und Jahrzehnte. Vorkenntnisse über die Druck- und Buch(handels)geschichte sind zwar nicht unbedingt erforderlich, hilfreich sind sie aber schon.

Mein Fazit: Ein schönes kleines, manchmal wie hingetupft wirkendes Werk. Die Lektüre hat mir Freude gemacht.

Der Buchdrucker der Medici
Hommage an Michael Wagner
Erzählung
von Christoph W. Bauer
Haymon Verlag Innsbruck – Wien,  2009, 150 Seiten

3 Kommentare zu „Christoph W. Bauer: Der Buchdrucker der Medici

    1. Hallo Susanne, dass ich mit dem neuen Erscheinungsbild (ich probiere gern neue Designs aus, aber dann muss auch das Drumherum passen) nicht 100%ig glücklich war, siehst Du daran, dass ich alles wieder auf den alten Stand zurückgeschraubt habe. Einen schönen Rest-Sonntag wünscht Ingrid.

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