Sigrid Metken: Geschnittenes Papier

Eine Geschichte des Ausschneidens in Europa von 1500 bis heute

Man kann, glaube ich, mit Fug und Recht behaupten, dass dieses Buch so etwas wie ein Standardwerk ist. Ich kenne jedenfalls nichts Vergleichbares und/oder Geschnittenes Papierähnlich Umfassendes. Es ist nur noch antiquarisch erhältlich. Froh, es nicht gleich kaufen zu müssen – die Preise liegen momentan etwa zwischen 40 und 75 EUR -,  habe ich die Möglichkeiten des Bergischen Bibliotheksverbunds genutzt und mir das Buch von der Stadtbücherei Wuppertal kommen lassen. Nun habe ich ein wunderbares, relativ großformatiges, recht schwergewichtiges  Buch in Händen und frage mich „Was nun?“. Der erste Eindruck bestätigt sich schnell: hier handelt es sich nicht um ein Buch, das man „mal eben“ durchliest und nach Ablauf der Ausleihfrist wieder zurückbringt. Dafür ist es einfach viel zu umfangreich, zu informativ, auch viel zu schön.

Wichtig ist:  „Ausschneiden“ meint keineswegs nur das Ausschneiden aus bedruckten Vorlagen; es geht vielmehr auch um den frei gestalteten Schnitt. Beides, so die Autorin,

scheint himmelweit voneinander entfernt und überlappt sich doch unaufhörlich. Es gibt handgemalte, ausgeschnittene Papierkrippen und solche, die aus Bilderbogen angefertigt werden… Man kann ein Schattenprofil aus freier Hand umreißen, aber auch aus einer Lithographie herausschneiden. Zierlich ausgeschnittene Kupferstiche haben einen Rahmen aus frei gestalteten Pergamentspitzen erhalten. Dreidimensionale Papierbauten werden frei entworfen oder nach Konstruktionsbogen geklebt und so fort.

In 11 Kapiteln widmet sich diese große Kulturgeschichte so ziemlich allem, was mit Papier und Ausschneiden zu tun hat: nach einem Rückblick in die Anfänge bis 1700 geht es um Weihnachtskrippen aus Papier, Schnitzereien in Pergament (Weißschnitte und Spitzenbilder), Dekorationen mit ausgeschnittener Graphik zur Zeit des Rokoko, es geht um Schattenrisse und Faltschnitt, um Ausschneidebogen und Papiertheater und vieles mehr bis hin zu Scrapbooks.

Ohne dass ich mich schon wirklich in dieses Buch vertieft hätte – ich werde es mir wohl doch irgendwann kaufen (müssen) -, kann ich guten Gewissens sagen: Wer ein Faible für Papier, Papiergestaltung, Papierarbeiten hat, wer sich für Papierantiquitäten begeistern kann, kommt bei diesem Buch voll auf seine Kosten. Das auch deshalb, weil es unzählige, oft farbige Abbildungen enthält, die Anzuschauen eine reine Freude ist. Nachfolgend einige Beispiele:

Spitzenbild
Spitzenbild Divina Pastora, um 1760/65, Pergament
Scherenschnitt
Scherenschnitt Georg Plischke, Baum im Winter
Elephant und Rotkäppchen
Aufstellfigur und Ausschneidebogen
Konstruktionsbogen Limousine
Konstruktionsbogen Limousine

Sigrid Metken
Geschnittenes Papier
Eine Geschichte des Ausschneidens in Europa von 1500 bis heute
Verlag Georg D.W. Callwey, München 1978, 336 Seiten

9 Kommentare zu „Sigrid Metken: Geschnittenes Papier

  1. Das ist sicher ein ganz wunderbares Buch. Das Foto mit dem Konstruktionsbogen erinnert mich an jene, die wir in der Schule kaufen konnten. Das waren und sind noch heute Burgen, Schlösser, Haustypen diverser Kantone etc.
    Und man glaubt es kaum, gerade vor einigen Monaten habe ich mir solch einen Bogen für eine Tischdeko gekauft 😉

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    1. Ich nehme an, dass die Tischdeko besonders schön ist und entsprechend liebevoll behandelt wird … Im übrigen fühle ich mich beim Durchblättern des Buches auch oft an meine Kindheit und Jugend (liegt beides schon weit zurück) erinnert. Grüße in die Schweiz, Ingrid

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