Lionel Casson: Bibliotheken in der Antike

Ich finde es spannend zu erleben, was Lektüre bewirken kann. Wie sie Anstoß zu weiterer Beschäftigung mit einem Thema sein, zum Recherchieren animieren, zu neuen Entdeckungen führen kann. In meinem Fall war das Buch „Die Welt der Bücher“ (Besprechung hier), in dem Matthew Battles einen Streifzug durch die Geschichte der Bibliothek(en) unternommen hat, Auslöser für eine intensivere Beschäftigung mit der Thematik. Und so bin ich denn  (u.a.) auf das Buch gestoßen, das ich heute hier vorstellen möchte: „Bibliotheken in der Antike“ von Lionel Casson. Es wird – das steht jetzt schon fest –  nicht das letzte „Bibliotheksbuch“ bleiben, das in DruckSchrift besprochen wird.

Bibliotheken in der Antike„Bibliotheken in der Antike“ ist eine umfassende, dabei aber nicht zu umfangreiche Geschichte der abendländischen Bibliotheken von den Anfängen in Mesopotamien über Griechenland, Alexandria und Rom bis zu den frühen Klosterbibliotheken des Mittelalters. Wir lesen über die ersten von Archäologen gefundenen schriftlichen Dokumente auf Tontafeln und von Tontafel-Sammlungen, vom lange Zeit verbreiteten Einsatz von Papyrus als Beschreibmaterial und dessen langsamer Ablösung durch das Pergament. Meilensteine in der Bibliotheksgeschichte  werden vorgestellt: die Bibliothek des Assyrerkönigs Assurbanipal, der selbst lesen und schreiben konnte – die wohl erste systematisch zusammengetragene Bibliothek im Nahen Osten der Antike; die legendäre Bibliothek von Alexandria, um 300 v. Chr. offensichtlich nach dem Vorbild der Privatbibliothek von Aristoteles gegründet und während des gesamten Altertums die erste und größte ihrer Art; die schon von Cäsar geplante, später von Asinius Pollio in Rom verwirklichte griechisch-römische Bibliothek zur öffentlichen Nutzung oder die Bibliothek des Kaisers Trajan. Um nur einige Beispiele zu nennen.

Schließlich wird im Kapitel „Auf dem Weg ins Mittelalter“ auch die Rolle der Klöster für die Geschichte des Bibliothekswesens und den „Erhalt“ der griechischen und lateinischen Klassiker dargestellt. Insbesondere dem Klostergründer Cassiodorus ist hier eine Schlüsselrolle zugefallen.

Die Geschichte der Bibliotheken ist natürlich zwangsläufig auch eine Geschichte des Buches und des Buchhandels. So lesen wir über die ersten Händler, die mit Abschriften handelten und über den bedeutenden Wandel von der Schriftrolle zum Kodex, dem gebundenen Buch.

Das alles und noch viel mehr wird von Lionel Casson interessant und gut lesbar  dargestellt. Der 2009 verstorbene amerikanische Autor war Altphilologe und lehrte als Professor an der New York University. Sein Buch über „Bibliotheken in der Antike“ ist lehrreich und unterhaltsam zugleich. Wer sich in die Geschichte der frühen Bibliotheken vertiefen will, wird das Werk mit Gewinn lesen.

Lionel Casson
Bibliotheken in der Antike
Artemis & Winkler / Patmos Verlag 2002, 220 Seiten

2 Kommentare zu „Lionel Casson: Bibliotheken in der Antike

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s