Wenn ich mal in Emmendingen wäre … | das Deutsche Tagebucharchiv

Wenn ich mal in Emmendingen wäre, würde ich das Deutsche Tagebucharchiv besuchen. Diese bemerkenswerte und hierzulande einzigartige Einrichtung sammelt und archiviert  Tagebücher, Lebensaufzeichnungen und Briefwechsel von Privatpersonen. Sie sieht ihre Aufgabe ausdrücklich nicht darin, Texte bekannter/bedeutender Persönlichkeiten aus Geschichte, Politik und Kultur unter ihrem Dach zu beherbergen.

Im Sinne einer Geschichte „von unten“ bewahrt das Tagebucharchiv Betrachtungen und Lebensgeschichten von „jederfrau und jedermann“. 

Unter der Überschrift „Was wir tun“ lesen wir u. a. auf der Internetpräsenz der Einrichtung:

Tagebücher, Lebenserinnerungen und Briefwechsel sind sehr persönliche Dokumente und gleichzeitig von großer Aussagekraft. Autobiographische Aufzeichnungen machen historische Ereignisse und Zeitläufe eindrücklich nachvollziehbar. Diese „Egodokumente“ sind wichtige Quellen für die Geschichts- und Kulturwissenschaft vor allem für die Erforschung der Alltags- und Mentalitätsgeschichte. Leider landen solche wertvollen Dokumente nur allzu oft im Keller oder auf dem Müll, wenn die Nachkommen den Bezug zu den schreibenden Vorfahren verlieren oder die Schrift nicht lesen können.

Dank der Gründung des Deutschen Tagebucharchivs e.V. im Januar 1998 durch Frauke v. Troschke müssen solche Zeugnisse individueller Lebensgeschichten nicht mehr verloren gehen. Die Einrichtung findet regen Zuspruch: Mittlerweile haben dort autobiographische Schriftstücke von mehr als 3250 Autorinnen und Autoren ihren Platz gefunden. Der Gesamtbestand setzt sich aus rund 14000 Tagebüchern, Lebenserinnerungen und Briefwechseln zusammen.

Die Dokumente des Tagebucharchivs werden nicht nur wissenschaftlich ausgewertet, sondern können zum Beispiel auch für schulische Projekte genutzt werden. Auch Geschichtsseminare werden angeboten. Grundsätzlich ist die Einrichtung für alle Interessierten zugänglich – auch was die Einreichung von privaten Aufzeichnungen angeht.

Ich bin sehr beeindruckt von dem, was das Deutsche Tagebucharchiv leistet. Es erfüllt zweifellos eine enorm wichtige Aufgabe. Leider ist die Entfernung für einen Besuch dort für mich zu weit. Aber immerhin steht eine ausführliche, informative Homepage zur Verfügung. Interessierte finden sie hier.

Deutsches Tagebucharchiv e.V.
Marktplatz 1
79312 Emmendingen
Tel. 07641 / 574659
Fax 07641 / 931928
www.tagebucharchiv.de

 

10 Kommentare zu „Wenn ich mal in Emmendingen wäre … | das Deutsche Tagebucharchiv

  1. Hallo Ingrid
    Das ist ja eine tolle Sache und Wahnsinnsleistung, was in diesem Archiv vollbracht wird. Habe mir nur einmal angesehen, wie ein Tagebuch bearbeitet wird. Emmendingen ist für mich nicht einmal sehr weit entfernt. Ein Museum ist es ja nicht, aber trotzdem kann man das Archiv besuchen, was sicher sehr spannend ist. Ich finde es vor allem auch interessant, was früher auf Postkarten oder in Briefen geschrieben wurde. Das konnte ich kürzlich gleich selber feststellen, als ich eine Ansichtskarte aus dem 19. Jahrhundert erwarb.

    Vielen Dank für diesen Hinweis.

    Gefällt mir

    1. Hallo Büchermaniac,
      ich finde auch, dass das Tagebucharchiv enorm wichtige Arbeit leistet. Aus dem, was die sog. „kleinen Leute“ in ihren Aufzeichnungen festgehalten haben, kann man mehr über die realen Lebensverhältnisse der Menschen erfahren als aus vielen herkömmlichen Geschichtsbüchern.

      Gefällt mir

  2. Auch ich habe davon noch nie was gehört – und finde es einfach großartig. Es ist besonders die Alltagsgeschichte, die mich historisch interessiert. Die kleinen Aspekte – wie viel kostete denn ein Pfund Butter in Kontrast zu Miete und Verdienst – was haben die Leute denn damals wirklich gegessen, gedacht, gefühlt usw. Manche Details habe ich schon in Kleinanzeigen in Zeitungen aus früheren Zeiten gefunden. Aber das Denken und Fühlen gibt’s wohl nur in Tagebüchern. (Leider ist die Ecke für mich auch nicht mal eben erreichbar, aber wer weiß…)
    (Übrigens wird in Dortmund Ende nächsten Jahres das Deutsche Kochbuchmuseum nach der Renovierung eröffnet – das ist bei mir in der Nähe und da freue ich mich schon drauf!)

    Gefällt mir

    1. Hallo Mila, ich teile Deine Einschätzung, was den Wert der Arbeit des Tagebucharchivs angeht, voll und ganz. – Danke für den Hinweis auf das Deutsche Kochbuchmuseum. Auch solch ein Museum kann ja ungemein viel über das Alltagsleben der Menschen vermitteln. Aber da werden wir uns wohl noch längere Zeit in Geduld üben müssen – nach dem, was ich, durch Deine Anmerkung neugierig geworden, gerade im Internet gelesen habe, ist die Neueröffnung nicht für Ende nächsten Jahres, sondern leider erst für den Herbst 2014 vorgesehen … Die Bibliothek bleibt aber vorerst am alten Standort und kann genutzt werden. Infos hier.

      Gefällt mir

  3. Danke für diesen sehr interessanten Hinweis. Emmendingen und das Tagebucharchiv sind als nächste potentielle Reiseziele abgespeichert … ich hatte zuvor noch nie etwas von diesem Archiv gehört, muss ich gestehen, finde diesen Ansatz aber sehr interessant. Danke für diesen Hinweis. 🙂

    Gefällt mir

    1. Ich weiß selber nicht mehr, wie ich auf dieses Tagebucharchiv gestoßen bin, erinnere mich aber, dass ich sofort den Eindruck hatte, dass dort eine wichtige Arbeit geleistet wird. Schön, dass die Einrichtung für Dich offenbar in erreichbarer Nähe liegt und Du einen Besuch ins Auge fassen kannst. Für mich kommt das leider nicht infrage.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s