Reinhard Wittmann: Geschichte des deutschen Buchhandels

Einen Überblick über 500 Jahre deutschen Buchhandel will dieses Buch liefern, und das ist – um das Fazit vorwegzunehmen –  gut gelungen. Der Autor Reinhard Wittmann ist ein ausgewiesener Experte: Leiter der Abteilung Literatur (Hörfunk) des Bayerischen Rundfunks, Honorarprofessor für Geschichte des Buchwesens und des literarischen Lebens an der Universität München und stellvertretender Vorsitzender der Historischen Kommission des Börsenvereins des deutschen Buchhandels. Diese Angaben zur Person finden sich in der mir vorliegenden durchgesehenen und erweiterten Auflage aus dem Jahr 1999 (die erste Auflage ist 1991 erschienen), und es ist möglich, dass sich inzwischen an der einen oder anderen Funktion etwas geändert hat, aber dass wir es hier mit einem anerkannten Fachmann zu tun haben, steht jedenfalls außer Frage.

Das Buch ist aus Vorlesungen des Autors an der Uni München hervorgegangen und auch für Nicht-Fachleute sehr gut lesbar. Es geht in diesem Werk nicht, wie man vermuten könnte, ausschließlich um den „vertreibenden Buchhandel“ und seine ständig neuen Herausforderungen und Probleme im Laufe der Jahrhunderte (so manche Klage kommt einem auch heute noch/wieder sehr bekannt vor) . Die „Geschichte des deutschen Buchhandels“ ist auch die Geschichte des deutschen Verlagswesens, die Geschichte der Entstehung des freien Schriftstellers und des Kampfs der Autoren um angemessene Bezahlung und Anerkennung ihrer Urheberrechte, eine Geschichte des Lesens und der Entwicklung des Buches vom hehren Geistesgut zum billigen Massenprodukt.

„Geballte“ Informationen also, in zwölf nach Zeitabschnitten geordneten ausführlichen Kapiteln zusammengefasst: Vom „Buchhandel vor Gutenberg und in der Frühdruckzeit“ bis zum „Buchhandel und Buchmarkt nach 1945“. Da ich mich erst kürzlich mit Gutenberg beschäftigt und anschließend das „Museum der Bücher“ gelesen habe, hat mich das erste Kapitel  besonders angesprochen; es war eine ideale Ergänzung zur passenden Zeit. Was ein wenig stört, ist Wittmanns Vorliebe für ausgedehnte statistische Zahlenspielereien. Da schwirrt einem schnell der Kopf, und merken kann man sich das Zahlengewirr ohnehin nicht.  Ein separater Statistik-Teil  zum Nachschlagen wäre da hilfreicher gewesen. Und – zweiter kleiner Einwand – manchmal sind die sehr langen Zitate doch etwas ermüdend.

Es bleibt aber dabei: Die „Geschichte des deutschen Buchhandels“ ist für alle buch- und kulturgeschichtlich Interessierten ein höchst lesenswertes Buch. Für diejenigen, die sich ein Leben ohne Bücher gar nicht (mehr) vorstellen können, ist es eigentlich ein „Muss“.

Reinhard Wittmann
Geschichte des deutschen Buchhandels
Verlag C. H. Beck (becksche reihe 1304), hier: erweiterte Auflage 1999, 496 Seiten

2 Kommentare zu „Reinhard Wittmann: Geschichte des deutschen Buchhandels

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