Peter Jacobi: Mein Leben als Buch

Wohl kein Zufall: es sind immer die Bücherverrückten, die eines schönen Morgens als Buch aufwachen.

So widerfährt es dem Bibliophilen / Bibliomanen Herrn Bibli in Alfons Schweiggert’s Roman „Das Buch“ (Besprechung hier). Und in Peter Jacobi’s „Mein Leben als Buch“ erwischt es den Antiquar Dietrich Oger, genannt Diogenes. Aber was heißt hier „erwischen“? Hat da etwa jemand dessen Umwandlung in ein Buch bewusst betrieben?

Die „Büchertonne“, Ogers Antiquariat, läuft nicht gut. Kunden sind eher lästig, denn der Inhaber tut vorzugsweise eins: Lesen. Vor allem Biografien, Lebenserinnerungen. Kunden stören da nur. Es wird finanziell eng. Vorschläge seiner Lebensgefährtin Gisela oder seines langjährigen Freundes Gerold, der die örtliche Dombuchhandlung betreibt: Hinzunahme von modernem Antiquariat, Verkauf von CDs – werden kategorisch abgelehnt. Als dann Sprayer Nacht für Nacht das im Zuge von Sanierungsmaßnahmen frisch gestrichene Haus, in dem die „Büchertonne“ untergebracht ist, verunstalten, geht der Ärger richtig los. Und dann … Richtig vermutet. Dietrich Oger wacht eines Morgens auf und ist ein Buch.

Als solches muss Diogenes diverse Veränderungen in seinem Umfeld wahrnehmen. Gisela und Gerold „krempeln“ die „Büchertonne“ nach ihren Vorstellungen um. Dabei hat Gisela ihm doch geschworen: keine Musik!!! Und dann muss der Protagonist aus nächster Nähe miterleben, dass seine Lebensgefährtin und der gemeinsame – verheiratete – Kumpel weit mehr sind als nur “befreundet“.

So wird dem Buch klar, dass ein abgekartetes Spiel mit ihm bzw. Dietrich Oger getrieben wird.

Aber was ein richtig pfiffiges Buch ist, das weiß sich – manchmal auch mit nicht ganz feinen Methoden –  zu helfen. Mehr sei nicht verraten.

Peter Jacobi hat mit „Mein Leben als Buch“ ebenso wie Alfons Schweiggert mit „Das Buch“ – der Vergleich drängt sich einfach auf, auch wenn die erzählten Geschichten denn doch ziemlich unterschiedlich sind  – ein außerordentlich amüsantes, lesenswertes Buch geschrieben, das man Ruck-Zuck ausgelesen hat. Ich hätte Schwierigkeiten, müsste ich mich für einen dieser beiden Romane entscheiden. Aber zum Glück besteht kein Entscheidungszwang. Meine Empfehlung: … Schon klar? Viel Spaß bei der Doppel-Lektüre.

Peter Jacobi
Mein Leben als Buch
Edition Nautilus 1999, Hardcover, 144 Seiten

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