Hans Adolf Halbey (Hrsg.): Museum der Bücher

Vor Jahren brachte der Harenberg-Verlag die „Harenberg-Edition bibliophiler Taschenbücher“ heraus. Nach und nach erschien eine alles in allem sehr schöne Reihe. Etliche der reich illustrierten Bändchen sind gleich in mein Bücherregal gewandert, das eine oder andere Exemplar habe ich erst später erworben. Das gilt besonders für das „Museum der Bücher“, das ich kurz vor Reisebeginn für stolze 50 Cent gekauft habe. Ein wahres Schnäppchen.

Das „Museum der Bücher“ trägt die Nummer 500 und wurde von Harenberg als Jubiläumsband herausgeben. (Ich bin erstaunt. Umfasste die Reihe so viele Titel?) Das Ergebnis ist des Jubiläums würdig und kann sich wahrlich sehen lassen.

Was nirgendwo in der Welt unter einem Dach zu sehen sein wird, ist in diesem „imaginären Museum“ vereint. 75 der herausragendsten Bücher und Tafelwerke seit Begründung der Druckkunst durch Gutenberg werden in Wort und Bild beschrieben und gezeigt.

Was der zitierte Einbandtext verspricht, hält der Inhalt.

Das Buch ist in sieben Kapitel unterteilt: Die Bibel / Literatur / Das illustrierte Buch / Das Kinder- und Jugendbuch / Lehrbuch und Fibel / Das Wissenschaftswerk / Das Tafelwerk / Literarische Almanache und Taschenbücher / Enzyklopädien und Lexika / Atlanten und geographische Literatur / Bucheinbände / Exkurse .

Experten ihres Fachs stellen jeweils 5 oder 6 Meilensteine der Buchgeschichte und Buchkunst vor. Angesichts der oft teuflisch schweren Auswahl hört man sie förmlich stöhnen, etwa wenn Wulf Piper, der für den Bereich Literatur verantwortlich zeichnet, klagt:

Fünf Bücher aus Millionen! Woher die Kriterien nehmen! Ich beschloß eine Auswahl nach sehr fragwürdigen, sehr persönlichen und zugleich besonders nüchtern herzlosen:

1. Alle Bücher sollten dem größten Schatzhaus alter Bücher in Europa entnommen sein, der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel, Leibniz‘ und Lessings Bücherei.

2. Die Bücher sollten durchaus und durch und durch schön sein.

….

Herausgekommen ist mit dem „Museum der Bücher“ ein wunderbares Buch, dem sich jeder, der Bücher liebt und ein Auge für Buch- und Druckkunst hat, mit Freude, ja Glücksgefühlen widmen wird. Jedes notwendigerweise kurze Kapitel, jede notgedrungen knappe Buchpräsentation ist so etwas wie eine Aufforderung, sich ausführlicher mit der Thematik zu befassen.

Mir persönlich hat, obwohl unter Schönheits- wie Bedeutungsgesichtspunkten eher am Rande „mitlaufend“, das Kapitel über die Geschichte der Almanache besonders gut gefallen. Darüber wusste ich bislang recht wenig. Wenn ich wieder zu Hause bin und ich mich dank Flatrate ausgiebiger im Internet tummeln kann, als das aus Kostengründen hier von Frankreich aus möglich ist, mache ich mich mal auf die Suche nach vertiefenden Ausführungen und etwa verfügbaren antiquarischen oder auch aktuellen Ausgaben.

Erwähnen möchte ich noch kurz das Kapitel „Exkurse“, damit deutlicher wird, was sich dahinter verbirgt: Die Autorin Elke Schutt-Kehm behandelt darin legendäre Handpressen wir Kelmscott in England oder die Janus-Presse in Deutschland, das Thema „Ex Libris“, sowie Ketten- und Beutelbücher, Buchattrappen und Buchobjekte.

Da mir hier kein Scanner zur Verfügung steht, habe ich ein wenig in das Buch „hineinfotografiert“. Ich hoffe, die Aufnahmen können ein wenig von der Schönheit der präsentierten Werke vermitteln.

Francesco Colonna: Hypnerotomachia Poliphili
Pantagurel, neu verfasst von Alcofrybas Nasier (Francois Rabelais)
Orbis Pictus – Universal-Bilderlexikon
Claudius Ptolomaeus: Cosmographia
Encyclopedie ou Dictionnaire Raisonne des Sciences, des Arts et des Metiers
Astronomicum Caesareum

Museum der Bücher
Herausgegeben von Hans Adolf Halbey
Harenberg Edition
Die bibliophilen Taschenbücher Band 500
erschienen 1986 (hier: 2. Auflage 1991)

7 Kommentare zu „Hans Adolf Halbey (Hrsg.): Museum der Bücher

    1. Hoffentlich werden die Bücherwünsche auch erfüllt … Das „Museum der Bücher“ wäre jedenfalls ein schönes Geschenk zu allen möglichen Gelegenheiten. Auch zum Selberschenken geeignet.

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  1. Stöhn! Schon wieder ein wundervolles Buch über Bücher. Wenn ich eine Klosterbibliothek besuche, dann stehe ich auch immer wieder staunend vor den prachtvollen Büchern, die wahrlich grosse Kunst sind. Vielen Dank für den Einblick ins Buch

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