Helmut Presser: Gutenberg

Johannes Gutenberg in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten

Im Spätherbst 1455 war das Werk so gut wie vollbracht. Der Druck der Bibel in Gutenbergs Werkstatt ging dem Ende zu. Eine jahrelange, aufopferungsvolle Arbeit sollte jetzt den verdienten Lohn einfahren. Dann aber verlor Gutenberg den Prozess gegen seinen Geldgeber, den Mainzer Goldschmied Fust. Und mit dem Urteil des Gerichts verlor er auch seine Werkstatt und die fertiggestellten Exemplare der Bibel.

Geldnot hatte Gutenberg schon, seit er beschlossenen hatte, die Buchherstellung zu revolutionieren. Seine Erfindung, der Buchdruck mit beweglichen Lettern aus Blei unter Verwendung einer Druckerpresse, erforderte Zeit und Geld. Viel Zeit und viel Geld. Aus seiner Zeit im Straßburger Exil ist bekannt, dass er dem dortigen Thomasstift eine größere Summe schuldig blieb. Nach Mainz zurückgekehrt, konnte er den angesehenen Kaufmann Johann Fust von seiner Idee überzeugen und als Geldgeber gewinnen. Doch immer wieder kam es zu Konflikten. Gutenberg kannte keine Kompromisse, er wollte die perfekte Lösung. Fust wollte Ergebnisse sehen, die Bibel möglichst schnell „vermarkten“. Das Zerwürfnis muss schon gravierend gewesen sein, dass Fust so kurz vor dem Abschluss des gemeinsamen Projekts vor Gericht zog. Er zerstörte damit das Lebenswerk Gutenbergs und verhinderte so, dass dieser am Verkaufserlös der Bibel beteiligt war.

Dieses erste gedruckte Buch, die 42zeilige lateinische Gutenberg-Bibel, gilt noch heute als herausragendes Meisterwerk der Buchdruckerkunst. In seiner technischen und ästhetischen Vollkommenheit ist es für alle Zeiten Vorbild und Maßstab geblieben. Im Mainzer Gutenberg-Museum kann man die Bibel bewundern.

 „Was ist es, das der Gutenberg-Bibel ihre Einmaligkeit verleiht? Drei Dinge können hier genannt werden: Ihre Eigenschaft als erstes mit Typen gedrucktes Buch der westlichen Welt, ihr Bedeutung als erste gedruckte Bibel und ihre Schönheit.“

In der bekannten Reihe der rororo Bildmonographien erzählt Helmut Presser die Geschichte von Johann(es) Gensfleisch, genannt Gutenberg, der um 1397 in Mainz geboren wurde und von dort aus Bahnbrechendes geleistet hat. Längst sind nicht alle Details seiner Zeit und seines Lebens erforscht, wie wiederkehrende Formulierungen wie „wohl“ oder „es scheint so“ etc. belegen. Es sieht so aus, als habe der Mainzer Stadtsyndikus Dr. Konad Humery nach dem gegen Fust verlorenen Prozess Teile von Gutenbergs Werkstatt gekauft und diese Gutenberg für dessen weitere Arbeit kostenlos zur Verfügung gestellt. Die folgenden Veröffentlichungen des gebrochenen Erfinders reichen aber längst nicht an sein geniales Meisterwerk, die 42zeilige Bibel, heran.

Liegt es jetzt an Presser oder der ungesicherten Faktenlage, dass im – interessanten – Kapitel über Mainzer Frühdrucke nicht so richtig klar wird, ob wir es hier – teilweise? – auch mit Druckschriften aus der Werkstatt Gutenbergs zu tun haben? Ist es plausibel, wenn Presser mutmaßt, dass es neben der Druckerei Gutenbergs noch eine weitere Werkstatt in Mainz gegeben hat, dessen Inhaber unbekannt geblieben ist? Gesichert scheint zu sein, dass der früheste bekannte Druck der „Türkenkalender“ ist, der, für 1455 bestimmt, 1454, also vor der Vollendung der Bibel, fertig gewesen sein muss.

Der geniale Erfinder Johann(es) Gutenberg starb 1468 wenig beachtet in seiner Heimatstadt. Von Mainz aus verbreitete sich der Buchdruck rasch in Deutschland und bald auch in vielen anderen Ländern Europas. Im Kapitel „Ausbreitung der Buchdruckerkunst in der Welt“ schildert Presser einige Schicksale der frühen deutschen Drucker. In Mainz selbst brachte die von Johann Fust übernommene und zusammen mit seinem Schwiegersohn, dem früheren Gutenberg-Gesellen Peter Schöffer geführte ehemalige Werkstatt Gutenbergs mit dem Psalterion und dem Canon Missae nach der Bibel weitere bahnbrechende Werke der Buchkunst heraus.

Die Erfindung des Buchdrucks ist eine faszinierende, spannende Geschichte, und das Bändchen von Helmut Presser ein insgesamt gesehen gelungener Einstieg in die Thematik. Wie wir es von den rororo Bildmonographien gewohnt ist, ist es reich illustriert. Im Anhang werden wichtige Werke des frühen Buchdrucks abgebildet. Eine Zeittafel zu Gutenbergs Leben und Werk und eine weitere zur Geschichte helfen, den Überblick zu behalten. In den „Zeugnissen“ wird Leben und Werk Gutenbergs gewürdigt.

Helmut Presser
Gutenberg
rororo Bildmonographien, Band 134, 1967 (hier Ausgabe 1979)

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