Christa Pieske: Das ABC des Luxuspapiers

Herstellung, Verarbeitung und Gebrauch 1860 – 1930

Dieses – um es gleich zu sagen – wunderbare Buch ist das Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Berliner Museum für Deutsche Volkskunde 1983/1984. Zielsetzung der Ausstellung war es,

Luxuspapier in seinen kultur-, wirtschafts-, technik- und sozialgeschichtlichen Zusammenhängen zu zeigen. Durch diese umfassende Sicht wird der Versuch unternommen, eine kulturelle Randerscheinung, eine Alltäglichkeit und Selbstverständlichkeit, die nicht des Nachdenkens wert war, eben Luxuspapier, in den Griff zu bekommen.

Der heute aus unserem Sprachgebrauch verschwundene Begriff „Luxuspapier“ täuscht, denn es geht hier nicht um Papiere für die „oberen Zehntausend“. Die Definition war allerdings wohl schon immer ein Problem. Hatte man um 1860 darunter veredelte Papiere verstanden, begann man um die Jahrhundertwende auch „Luxusgegenstände“ aus Papier darunter zu verstehen.

Luxuspapier, das ist das Unerwartete dabei, ist keineswegs nur von der Oberschicht als Luxusträger und -verbraucher goutiert worden.

Neujahrsgrüße

Der Blick in das umfangreiche ABC macht rasch deutlich, um was es geht: die Präsentation reicht von Abziehbildern über Adventskalender bis zu Ansichtskarten, von Laternen über Lebkuchenbilder bis zu Menukarten, von Papierfächern über (die von mir so geliebten) Reklamemarken bis zu Spielkarten oder Widmungsbüchern. Es dürfte so ziemlich alles dabei sein, was Papierfans und Sammlern von Papierartikeln das Herz höher schlagen lässt.

Jede einzelne Präsentation, verfasst von Experten ihres jeweiligen Fachgebiets, erfolgt nach dem Schema Objektbeschreibung / Geschichte / Funktion / Herstellung / Hersteller / Sammlungen / Quellen und Literatur. Damit ist „Das ABC des Luxuspapiers“ ein (nach meiner Kenntnis) einzigartiges und unentbehrliches Nachschlagewerk.

Die umfangreiche Einführung in die Thematik „Luxuspapier“ stammt aus der Feder von Christa Pieske. Sie beschäftigt sich darin nicht nur mit der Problematik der Definition (s.o.), sondern informiert gut verständlich über Vorläufer des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, Ausgestaltung durch Wort, Bild

Zigarrenkisten-Ausstattungen

und Ornament, Herstellung und Hersteller oder die wirtschaftliche Entwicklung des Luxuspapiers.

Mit der Präsentation auf der Weltausstellung in Wien 1873 wurde einhellig bestätigt, daß Deutschland nunmehr die Führung auf dem Luxpapier-Sektor erlangt habe; zwei Jahrzehnte zuvor hatte Frankreich diese Position inne.

Dankenswerterweise hat die Autorin sich auch des Themas „Soziale Frage“ angenommen. Vieles spricht dafür, dass sich soziale Fürsorge gerade in der Luxuspapier-Branche – um es vorsichtig auszudrücken –  stark in Grenzen gehalten hat. Kleinteilige, knifflige Materialien mit wenig Gewicht und Raumbedarf wurden vielfach in Heimarbeit am Familientisch gefertigt.

Papier-Christbaumschmuck

Fazit: Dieses Buch ist mehr als eine interessante Zusammenfassung der Kultur-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Luxuspapiers und eine alphabetische Übersicht über die unzähligen Produktvarianten. Es ist gleichzeitig auch ein wunderbares Bilderbuch, denn es enthält eine Unmenge an Abbildungen – schwarz-weiß im Text, Farbtafeln im Anschluss an das ABC. Allein das Blättern in diesem reich illustrierten Buch ist ein Vergnügen. In der Kombination Text / Bild ist es unschlagbar.

Wer neugierig auf die Autorin geworden ist und nähere Informationen über Christa Pieske sucht, findet sie bei Wikipedia.

Christa Pieske
unter Mitarbeit von Konad Vanja und anderen
Das ABC des Luxuspapiers
Herstellung, Verarbeitung und Gebrauch 1860 – 1930
Dietrich Reimer Verlag Berlin, 379 Seiten

2 Kommentare zu „Christa Pieske: Das ABC des Luxuspapiers

    1. Ja, das ist wirklich ein wunderbares Buch für alle Menschen, die sich von Papier, Papierprodukten, Sammelobjekten aus Papier gern verzaubern lassen.

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