Penelope Fitzgerald: Die Buchhandlung

Am Ende empfindet man dann doch ein wenig Mitleid mit Florence Green. Doch bis dahin ist immer wieder Kopfschütteln angesagt. Über sie – und ihre Autorin/Schöpferin Penelope Fitzgerald.

Die englische Schriftstellerin erzählt recht betulich die Geschichte einer Frau mittleren Alters, die es sich in den Kopf gesetzt hat, in dem kleinen, verschlafenen  Küstenort Hardborough allen Widerständen – insbesondere den der einflussreichen Mrs. Gamar – zum Trotz eine Buchhandlung zu eröffnen. Im Prinzip ein interessanter Ansatz für einen Roman, aber leider nutzt Fitzgerald die Chancen nicht.

Die Romanfiguren, Hauptakteurin Florence Green eingeschlossen, bleiben kraftlos, farblos. Penelope Fitzgerald hat es nicht verstanden, ihnen Leben einzuhauchen. Sie stattet Florence Green auch nicht mit einer besonderen „Beziehung“ zu Büchern aus, die erklären würde, warum es ausgerechnet eine Buchhandlung sein muss.  Die frischgebackene Unternehmerin wird zudem als recht unbedarft dargestellt. Geschäftstüchtigkeit und Urteilsfähigkeit zeichnen sie nicht gerade aus.  Ihrer zunehmend intriganter werdenden Nachbarschaft gegenüber erweist sie sich als hilflos.

Dass die Autorin es in dem Haus, das Florence Green als Domizil für sich und ihre Buchhandlung gewählt hat, spuken lässt, macht mich ein wenig fassungslos. Die Handlung spielt um 1959/1960 und nicht vor 150 oder 200 Jahren!

Unverständlich – wie so manches andere  – auch, warum für die Unterbringung der Buchhandlung ein bekanntermaßen sehr feuchtes Gebäude gewählt wird.

Manchmal scheint Penelope Fitzgerald auch verdrängt zu haben, dass der Schauplatz ihrer Handlung in einem kleinen Ort (laut Umschlagtext sogar „ein kleines, verschlafenes Dörfchen“) angesiedelt ist, etwa wenn sie schreibt , dass „Laster und Kombiwagen in wachsender Zahl“ auftauchen, um die Verlagsvertreter zu bringen. Selbst wenn man wohlwollend unterstellt, dass die nicht nur Hardborough anfahren, sondern die ganze Gegend „abklappern“, ist das eher lach- als glaubhaft. Wie das ganze Buch leider nicht überzeugt.

Wie es dieser Roman in die angesehene Reihe der Insel Taschenbücher schaffen konnte, ist mir ein Rätsel.

Penelope Fitzgerald
Die Buchhandlung
Insel Taschenbuch 2749 (2001)

6 Kommentare zu „Penelope Fitzgerald: Die Buchhandlung

  1. Vielleicht liegt’s ja an der Übersetzung, aber das Original habe ich gerne und mit Vergnügen gelesen. Schon die skurrile Szene mit der Kuh (oder war’s ein Pferd?) am Anfang, und die schlagfertige, resolute Assistentin. Das Unbedarfte störte mich keineswegs, und als Fan von Herriot (Tierarzt in Yorkshire) und Barnaby (Fiktion), etc. wundern mich weder Spuk noch sonstige Ungereimtheiten. Bitte laßt Euch nicht abschrecken, Fitzgerald zu lesen. Es gibt ein wunderbares kluges Buch zu Novalis: Die blaue Blume. Im Stil erinnert es mich an die Art, wie Hilary Mantel schreibt, die versucht, hinter die Linse ihrer Protagonisten zu gelangen. Mit von Hardenberg gerät man mitten rein in die Geschichte der Frühromantik.

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  2. Vielen Dank für die „Rückmeldungen“. Die Lektüre lohnt sich wirklich nicht. Die Story könnte allenfalls als Vorlage für eine Vorabend-Sendung im Fernsehen dienen … Es geht mir übrigens wie Karin: der ansprechende Einband hat das Bändchen erst einmal vor der Ausmusterung bewahrt.

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  3. Das Bändchen habe ich seinerzeit mit Lesevorfreude erstanden, zumal ich die Reihe der Inseltaschenbücher auch sehr schätze. Dass ich mich an den Inhalt kaum mehr erinnern kann, bestätigt Dein Leseerlebnis – es hat mich inhaltlich nicht überzeugt. Enttäuscht habe ich es aus den Händen gelegt. Nur der ansprechende Einband lässt mich das Bändchen bis heute im Regal behalten…

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