Alfons Schweiggerts Roman „Das Buch“

Ist das ein irres Buch! „Das Buch“ muss man gelesen haben. Und wenn es nicht zum reinen Vergnügen geschieht, dann vielleicht als Warnung? Denn eine gewisse Vorsicht ist angebracht. Sonst ergeht es einem wie dem Herrn Bibli, mit dessen nicht alltäglichem Schicksal wir hier konfrontiert werden. Aber was heißt hier „Vorsicht“? Die Frage ist doch, ob wir Bibliophilen unsere Wahl eigentlich noch selbst treffen  oder ob  es  „Das Buch“ ist, das sich den Menschen aussucht und ihn dann … Wie bei Herrn Bibli. Und das kam so:

Herr Bibli ist bibliophil seit frühester Jugend. Oder ist er schon Bibliomane?  Die Grenzen sind zumindest fließend. Manchmal lässt er ein ausgewähltes Buch auch mal einfach „mitgehen“. So auch „Das Buch“, das er auf einem Bücherflohmarkt entdeckt und dessen Sogwirkung er sich nicht mehr entziehen kann. Die Lektüre fesselt ihn, und ohne dass er es anfangs so richtig realisiert, ergreift  „Das Buch“  Besitz von ihm. Es dringt in seine Träume ein, verursacht ihm körperliche Schmerzen.  Mit der Zeit bemerkt Bibli  fortschreitende Veränderungen an sich: er wird nicht nur dünner, sondern auch kleiner. Und dann passiert es eines Tages: unter größten körperlichen Qualen vollzieht sich Herrn Biblis Transformation. Er selbst wird „Das Buch“.

Ab sofort verfolgen wir  Biblis Leben als Buch. Dieses neue Leben ist für Herrn Bibli ganz schön aufregend. Es/er geht durch viele Hände; meist nimmt er es hin, wie man mit ihm umgeht. Aber  wenn es sein muss, wenn ihn die ganz große Empörung packt, entwickelt „Das Buch“ unter Aufbietung aller Kräfte Biblis sogar für Menschen lebensbedrohliche Fähigkeiten…

Nein, mehr erzähle ich jetzt nicht über den Inhalt. Selber lesen macht Spaß. Schweiggert beweist eine unglaubliche Phantasie. Sein Roman ist wunderbar geschrieben, skurril und amüsant, entführt uns in das weite Feld zwischen Märchen und Alptraum. Und nimmt auch noch den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki aufs Korn.

Der 1947 geborene Autor wurde übrigens 2010 mit dem Großen Karl-Valentin-Preis ausgezeichnet. In den 70er Jahren  war er freier Mitarbeiter des Satire-Magazins „Pardon“.

Ausführliche Informationen über Alfons Schweiggert gibt es auf seiner Homepage. Wem meine Lobeshymnen über „Das Buch“ noch nicht ausreichen, findet dort weitere von Journalisten und Schriftstellerkollegen Schweiggerts.

Alfons Schweiggert
Das Buch
Ehrenwirth Verlag 1989, Hardcover, 136 Seiten
(Hardcover-Ausgabe wohl nur noch antiquarisch erhältlich; es gibt aber auch ein noch lieferbares Taschenbuch)

2 Kommentare zu „Alfons Schweiggerts Roman „Das Buch“

    1. Hallo Petra, ich kenne das Buch von Jacobi nicht, bin aber gerade mal dem Link gefolgt. Es stimmt, es gibt gewisse Parallelen. Auf jeden Fall ist „Das Buch“ ein richtiges Lesevergnügen.

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